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Dingwall, Scotland

Es wird angenommen, dass der Thing-Platz in Dingwall dort war, wo sich heute der Parkplatz des Cromartie Denkmal befindet.

Über diese Versammlungsstätte ist extrem wenig bekannt – lediglich der Ortsname ist ein Hinweis darauf, dass hier einst ein Thing existierte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Stadt an genau dieser Stelle errichtet wurde und dass es eines zukünftigen archäologischen Zufalls bedürfe, den Thing-Platz zu entdecken. In den Sagas ist keine Rede von einem Thing-Platz in Dingwall oder auf dem nördlichen Festland Schottlands. Dies wirkt umso geheimnisvoller, da es kaum historische oder archäologische Hinweise auf altnordische Siedlungen oder Wikingersiedlungen in dieser Gegend gibt, und dass, obwohl ansonsten viele Orte und Plätze im weiteren Umfeld altnordische Namen tragen.

Der Überlieferung zufolge wurde das Thing auf der östlichen Seite des Gallows Hill (wörtl.: Galgenhügel) abgehalten, ungefähr 600 m westlich der mittelalterlichen Stadt. Neueste historischen Erkenntnisse lassen darauf schlieβen, dass der Thing-Platz jedoch eher der Hügel war, auf dem heute das Denkmal „Cromartie Memorial“ steht. An diesem Platz finden sich zahlreiche Merkmale, die auf einen Thing-Platz hinweisen. Das Feld neben dem Hügel (heute eine Tankstelle) diente wohl als Versammlungsplatz für die Teilnehmer des Things. Der Platz ist mit der nahe gelegenen Kirche verbunden und Gallows Hill diente wahrscheinlich noch lange nach der altnordischen Zeit als Hinrichtungsstätte.

Um 1710 errichtete Sir George Mackenzie, der erste Graf von Cromartie einen großen Obelisk auf der Kuppe des Thing-Hügels. Nach seinem Tod im Jahre 1714 wurde er daneben begraben, wodurch der Hügel bis heute erhalten blieb. Das Denkmal war bis zum Jahr 1917 so schief geworden, dass es entfernt werden musste, und 1923 durch ein kleineres Bauwerk ersetzt wurde, das bis heute erhalten ist. Im Jahr 1947 wurde ein Großteil des Hügels abgetragen um so einen Parkplatz schaffen zu können. Lediglich der Hauptteil mit der Grabstätte des Grafen ist noch erhalten.

Wiederentdeckung des Thing-Platzes in Dingwall

Ground penetrating radar survey revealed evidence of a possible ditch running around the mound © Dr Oliver O’Grady Ground penetrating radar survey revealed evidence of a possible ditch running around the mound © Dr Oliver O’Grady Zoom Seit vielen Jahren stellt das Thing in Dingwall Historiker und Archäologen vor ein Rätsel. Kürzlich gelang es Mitgliedern der Gesellschaft für Geschichte in Dingwall, das Rätsel des Standorts zu lösen. Die Antwort fand sich in drei Schriftstücken, die zusammengenommen endlich über den genauen Ort des verloren geglaubten Thing-Platzes Aufschluss gaben. Im ersten Dokument, einem Schriftstück von 1503, wird beschrieben, dass James Herzog von Ross sein gesamtes Land in Ross aufgab, mit Ausnahme des Versammlungshügels in Dingwall. Allein der Besitz des Versammlungshügels gab ihm das Recht, seinen Titel, Herzog von Ross, zu behalten. Dies zeigt, wie wichtig der Platz auch zu diesem Zeitpunkt noch war.  Dem Dokument zufolge lag der Versammlungshügel direkt neben der Stadt und nicht, wie oftmals angenommen wird, weit davon entfernt.  Der zweite Hinweis findet sich in einer Eigentumsurkunde des Grafen von Cromartie aus dem Jahr 1672, die sich auf ein Landstück in Dingwall mit dem Namen Hillyard bezieht. Versammlungshügel wurden oft einfach nur Hügel genannt und das Schriftstück bestätigt diesen Zusammenhang, indem es den Besitz als „den Versammlungshügel von Dinguall“ beschreibt.  Der letzte Hinweis findet sich in Aufzeichnungen über Landbesitz aus dem 18. Jahrhundert, in denen steht, dass der Hillyard, oder auch Yardhill  nun „die Grabstätte der Familie Cromartie“  ist, heute bekannt als Cromartie Car Park (wörtl.: Cromartie Parkplatz).

Diese Entdeckungen ermöglichten erstmalig die Aufnahme von archäologischen Arbeiten am Thing-Platz in Dingwall.  Im Jahr 2011 wurde eine Suche mit einem Bodenradargerät auf dem Parkplatz durchgeführt. Diese Ergebnisse bringen erstes Licht in das Dunkel der Vergangenheit.  Die Daten geben Aufschluss über die ursprünglichen Maβe des Hügels und ein breiter Graben scheint von derDr Oliver O’Grady and members of the Dingwall History Society survey the Cromartie Car Park © Dingwall History Society ehemaligen Küste her kommend um den Platz herum zu verlaufen. Weiterhin nimmt man an, dass es einen Eingang auf der südwestlichen Seite gab. Wie auch in Tynwald Hill auf der Isle of Man ist es möglich, dass eine enge Verbindung zur nahegelegenen Kirche bestand.  An der nordwestlichen Seite, gegenüber der Kirche, sieht man einen weiteren Hinweis darauf, möglicherweise eine Brücke oder ein Steindamm, die über den Graben verläuft. Auβerdem sieht man die Andeutung einer verdeckten Straβenoberfläche, die unterhalb der Church Street zwischen den beiden Plätzen verläuft. 

Weitere besondere Merkmale sind ein möglicherweise aus der Frühzeit rührendes Monument unter dem Hügel und es konnten sogar Hinweise auf viktorianische Ausgrabungsversuche ausgemacht werden, die darauf abzielten, das Grab von George Graf von Cromartie ausfindig zu machen.  Diese Ergebnisse sind erst der Anfang der spannenden Geschichte von Dingwalls Thing-Platz. Weitere Untersuchungen und Ausgrabungen werden dessen Geschichte aufdecken und schon jetzt gibt es Pläne, ein sogenanntes Kulturerbezentrum vor Ort zu errichten, um allen Aspekten der Geschichte gerecht zu werden.

IN DER UMGEBUNG

Dingwall High Street featuring Dingwall Town House and the historic tollbooth tower Dingwall High Street featuring Dingwall Town House and the historic tollbooth tower Zoom Dingwall
Dingwall ist eine Marktstadt mit einer langen, abwechslungsreichen Geschichte, die viele Jahren vor der altnordischen Besiedlung begann. Dingwall, 1226 zum Royal Burgh (von der Krone verliehener Titel für eine freie Stadt mit besonderen Rechten) erhoben, liegt an der Spitze des Cromarty Firth und ist äuβerst geschichtsträchtig.  Dingwall ist zudem die Hauptstadt der Region Ross-shire und ist seit altnordischen Zeiten ein Handels-, Verwaltungs- und Gerichtszentrum. Bis heute ist die Stadt das Zentrum aller Aktivitäten in der Region.  Dingwall ist dank der hervorragenden Verkehrsanbindung leicht zu erreichen. Ob mit dem Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad, nie war der Moment günstiger, Dingwall einen Besuch abzustatten.

Dingwall bietet ein großartiges Kultur- und Freizeitangebot. Von sachkundigen Mitarbeitern im städtischen Museum (im alten Town House gelegen), bis hin zu der groβen Auswahl an ausgewählten Cafes und Geschäften und gut erreichbarer Natur zum Wandern oder Mountainbike fahren – Dingwall ist der ideale Ausgangspunkt für viele interessante und abwechslungsreiche Attraktionen in der Region. 

Colourful planters brighten up Dingwall High Street Colourful planters brighten up Dingwall High Street Zoom Drovers Exhibition (Viehtreiber-Ausstellung in Dingwall & Highland Marts)
Die Viehtreiber-Ausstellung der Highland Livestock Heritage Society (Gesellschaft für Highland-Nutzvieh) zeichnet die wichtige Geschichte der Viehtreiber in den Highlands nach. Im Juli 2008 eröffnete Prinzessin Anne diese detailgenaue Ausstellung, die auch ein Archiv (in elektronischer Form und auf Papier) über die Viehtreiber umfasst. Auβerdem gibt es hier wandmontierte Ausstellungsstücke, auf denen es die Ära zu entdecken gilt, in der die Viehtreiber ihre Rinder und Schafe weite Strecken durch das Hochland treiben mussten, um zu den Märkten zu gelangen.

Strathpeffer
Etwas acht Kilometer von Dingwall entfernt liegt dieser einzigartige Kurort aus dem viktorianischen Zeitalter, dessen Architektur komplett erhalten ist. Ebenfalls einen Besuch wert ist das Museum für Kindheit in den Highlands, das direkt an den Gleisen des alten Bahnhofs liegt. Für interessante Wanderungen bieten sich Pictish Eagle Stone und ein Steinkreislabyrinth an.

BESUCHERINFO

Anreise
Dingwall ist per Auto, Zug oder Flugzeug leicht zu erreichen. Von Inverness aus besteht eine regelmäßige Zuganbindung und von hier aus ist es ebenfalls möglich, andere Zielorte in Schottland sowie London zu erreichen. Vom Flughafen Inverness, der eine Vielzahl an Städteverbindungen bietet, besteht eine direkte Busverbindung zum Stadtzentrum. Außerdem besteht eine Linienbusverbindung zwischen dem Inverness Busterminal und Dingwall.

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Altnordisch Þingvöllr: Parlamentsgelände

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