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Tinganes, Färöer-Inseln

Die felsige Landzunge von Tinganes an der Küste von Tórshavn ist seit mehr als tausend Jahren der Sitz des färöischen Parlaments.

Ursprünglich war das Thing in Tinganes eine öffentliche Versammlung oder Althing, bei der sich alle freien Männer der Färöer-Inseln zu Diskussionen treffen konnten und allgemeine Angelegenheiten entschieden wurden. Später wurde es zu einer Løgting (Gesetzesversammlung), der ein Løgmaður (Gesetzesmann) vorstand, und bei der Vertreter aller Regionen anwesend waren.

Das Thing kam ein Mal jährlich im Sommer zusammen und wurde traditionell um den Ólavsøka (Sankt-Olavs-Tag) am 29. Juli abgehalten. Ursprünglich fand die Versammlung im Freien auf der Landzunge statt, wurde aber später in die kleinen Gebäude auf Tinganes verlegt.

Ab 1274 arbeitete die Gesetzesversammlung nach den norwegischen Gesetzen, die von Magnus dem Gesetzesverbesserer aufgesetzt worden waren, wandte jedoch auch spezifische färöische Gesetze, wie etwa die Seyðabrævið (Schafsbriefe) von 1298, an.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war der Einfluss des Løgting immer mehr zurückgegangen und die Vertreter des Königs gewannen an Macht.  Im Jahr 1816 wurde das Thing dann vollends abgeschafft und die Färöer-Inseln wurden zu einer Amtskommune Dänemarks, die von einem Präfekten und Beamten regiert wurde. Das Løgting wurde jedoch 1852 wieder aufgenommen und wächst seitdem stetig.

Heute befindet sich der Amtssitz des Premierministers in einem der Gebäude auf Tinganes. In diesem Gebiet stehen einige der ältesten Häuser der Stadt, manche sind aus dem 14. Jahrhundert, während andere aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Diese Häuser werden bis heute genutzt. Am Ufer sind außerdem eine Reihe von bearbeiteten Steinen und Felsen sichtbar. Es gibt Hinweise darauf, dass diese mit den Aktivitäten während der Things in Zusammenhang stehen.

Regionale Thing-Plätze

Außer dem Hauptthing in Tórshavn im Hochsommer wurden in den sechs Regionen der Färöer-Inseln Things abgehalten: Suðuroy, Sandoy, Vágoy, Streymoy, Eysturoy und Norðuroyar. Hier wurden Things im Frühling abgehalten, es gibt aber auch einen Hinweis auf Herbst-Things. Die Versammlungsplätze enthielten oft ting (Thing) oder dóm (Urteil) in ihren Namen, so z. B. bei Tinghellan und Dómheyggjar.

Die regionalen Things waren niedrige Instanzen und Fälle konnten von hier aus dem Althing oder dem Løgthing übertragen werden. Dies geschah jedoch nicht immer, und viele Urteile, die sogar körperliche Züchtigung und Todesstrafen einschlossen, wurden von regionalen Things gesprochen und vollstreckt. Hinrichtungsstätten sind demzufolge ein Teil der meisten regionalen Thing-Plätze.

In manchen Dörfern wurden regionale Things in Gebäuden abgehalten, mündliche Überlieferungen erzählen aber auch von Plätzen weit draußen auf den Feldern. Es wird angenommen, dass Things dort in alten Zeiten stattfanden. In vier der Regionen gibt es Verweise auf alte Thing-Plätze außerhalb der besiedelten Gebiete, jedoch nahe an wichtigen Verkehrswegen zwischen den Dörfern gelegen. In Suðuroy und Norðoyar befinden sich Thing-Plätze hoch oben in den Bergen, wohingegen sie in Sandoy und Eysturoy im Tiefland zu finden sind. Nach dem gleichen Prinzip, nach dem das Haupt-Thing in Tórshavn in der Mitte der Färöer-Inseln gelegen ist, sind die alten Thing-Plätze in der jeweiligen Region zentral gelegen und haben die bestmögliche Anbindung an die umliegenden Dörfer. Wenn Thing-Plätze in bereits bestehende Siedlungen verlegt wurden, handelte es sich in den meisten Fällen um die nächstgelegene.

Ortsnamen, die an Galgen erinnern, gibt es in fünf der Thing-Regionen und in allen Fällen befinden diese Orte sich nahe den historischen und nicht den frühgeschichtlichen Thing-Plätzen. Galgen wurden üblicherweise auf Anhöhen errichtet, auf denen sie deutlich zu sehen waren. Es war wichtig, dass so viele Menschen wie möglich mit eigenen Augen sehen konnten, welches Schicksal sie erwartete, wenn sie ein Verbrechen begingen.

Ørðavík on Suðuroy © Arne Thorsteinsson Ørðavík on Suðuroy © Arne Thorsteinsson Zoom Suðuroy
Das Thing wurde im Dorf Ørðavík in der Inselmitte abgehalten, der uralte Thing-Platz befindet sich oberhalb der Ansiedlung in den Bergen. Es wird angenommen, dass die Mitglieder des Things ihre Zelte in Tjaldavík, etwas südlich des Dorfes, aufgestellt haben.

Sandoy
Diese Thing-Region umfasste die Inseln Sandoy, Skúvoy und Dímun. Die Versammlung fand auf dem Bauernhof í Trøðum im Dorf heima á Sandi statt. Dort gibt es noch heute einen Stein, der den Namen Tingborði (der Thing-Tisch) trägt. Weiter östlich soll sich in der Gegend zwischen den beiden kleinen Seen, in millum Vatna, ein alter Thing-Platz befunden haben.

Vágoy
Der historische Thing-Platz befand sich in Rygsgarður im Dorf Miðvágur. In Giljanes, an der Grenze zwischen den Dörfern Miðvág und Sandavág, weist ein Fels mit dem Namen Gálgasteinur darauf hin, dass sich hier früher ein Galgen befand.

Tingborði (the Thing Table) on the farm í Trøðum in Sandoy © Frank Bradford Tingborði (the Thing Table) on the farm í Trøðum in Sandoy © Frank Bradford Zoom Streymoy

Hierbei handelt es sich um die wohl bevölkerungsreichste Thing-Region des Landes, die die Inseln Streymoy, Nólsoy, Hestur und Koltur umfasst. Der Thing-Platz befand sich im Dorf Kollafjørður. Eines der Häuser des Dorfes wird í Tinggarðinum (wörtl.: im Thing-Hof) genannt. Etwas außerhalb des besiedelten Gebiets stand ein Galgen und man erzählt sich Geschichten über einen Ort, der die Verurteilen vor ihrem Schicksal bewahren konnte, wenn sie es schafften, diesen zu erreichen.

Eysturoy
Das Eysturoy Thing fand im Dorf Selatrað statt. Die Überlieferungen weisen auf einen Stein namens Tingsteinur hin, obwohl das Thing vermutlich in einem Gebäude abgehalten wurde. Am Ufer befindet sich ein Ort namens á Gálga. Es ist historisch dokumentiert, dass im Jahr 1626 ein Dieb in Selatrað gehängt wurde. Man nimmt an, dass sich der alte Thing-Platz in einiger Entfernung an einem Ort namens Stevnuváli befand.

Norðuroyar
Das Thing im Dorf í Vági, dass sich zur Stadt Klaksvík entwickelte, war für die nördlichen Inseln Borðoy, Kalsoy und Kunoy sowie Viðoy, Svínoy und Fugloy im Osten zuständig. Der alte Thing-Platz in den nördlich von Klaksvík gelegenen Bergen ist so nahe am Zentrum der Thing-Region wie nur irgend möglich. Ein großer Fels, der hier steht, ist als Tingsteinur bekann. Um diesen herum wurden eine Reihe kleinerer Steine aufgestellt. 

IN DER UMGEBUNG

Tórshavn

Nordic House, Tórshavn © Frank Bradford Nordic House, Tórshavn © Frank Bradford Zoom Tórshavn ist eine lebhafte Stadt voller Hotels, Restaurants, Cafés, Bars und einer Bücherei, die alle Wi-Fi oder Internetzugang bieten. Auch eine Reihe von Museen, Sporteinrichtungen, Parks, Rundgängen und interessanten Geschäften laden zum Entdecken ein.  Im Kunningarstovan, dem Touristeninformationszentrum im Stadtzentrum, hilft man gerne mit Informationen, Landkarten, Broschüren und Souvenirs weiter. (www.visittorshavn.fo)  Die Stadt verbindet auf großartige Weise alte und neue Architektur. Im Norden ist das Haus des Nordens sowohl ein wunderbares Beispiel für moderne Architektur als auch ein Ort für kulturelle Veranstaltungen.

Die Altstadt

Die Altstadt erstreckt sich von Tinganes bis zum Stadtzentrum von Tórshavn und ist Sitz des färöischen Parlaments sowie des Stadtrats. Bei einem Rundgang durch die Altstadt bekommt man einen guten Eindruck von tausend Jahren Geschichte: Angefangen bei der Thing-Stätte, an der sich Färöer seit dem späten 9. Jahrhundert versammelten, vorbei an alten Lagerhäusern, die zum königlichen Monopolhandel gehörten, entlang enger, verwinkelter Gässchen mit schwarz geteerten Häusern, weißen Fenstern und Grasdächern bis hin zum Løgtingshúsið (färöisches Parlament), dass 1000 Jahre nach der Thing-Stätte im Jahr 1856 errichtet wurde.

Festung Skansin 

Die erste Festung in Skansin wurde durch den Lokalhelden Magnus Heinason im Jahr 1580 erbaut. Auf Tinganse wurden zwei weitere Festungsanlagen errichtet, um den Handel auf dem Land- und Seeweg vor Angriffen zu schützen. Diese Anlagen hatten jedoch nicht lange Bestand, und die der Spitze von Tinganes nächstgelegene Festung wurde 1740 durch ein Lagerhaus ersetzt und später in ein Wohnhaus umgewandelt. Dieses und benachbarte Gebäude gehören nun seit 1957 der färöischen Regierung. Heute befindet sich dort der Amtssitz des Premierministers.

Kirkjubøur

St Magnus Cathedral and modern parish church, Kirkjubøur © Frank Bradford St Magnus Cathedral and modern parish church, Kirkjubøur © Frank Bradford Zoom Das Dorf Kirkjubøur ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Färöer-Inseln.  Während des Mittelalters war es das geistige und kulturelle Zentrum der Inseln. Bis zur Auflösung der färöischen Diözese während der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts befand sich hier die Residenz des Bischofs. Die Ruine der St.-Magnus-Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert und die ältere St.-Olvas-Gemeindekirche sowie das mit Torf gedeckte Roykstovan, eines der ältesten Fachwerkhäuser der Welt, sind ein wichtiger Teil des färöischen Kulturerbes. Roykstovan ist ein 700 Jahre alter Bauernhof am früheren Ort des Bischofspalasts und wird seit 17 Generationen von der gleichen Familie bewohnt. Das kleine Museum und die Gemeindekirche sind im Sommer täglich geöffnet und werden während der Wintermonate auf Wunsch geöffnet.  (organisierte Bustouren: www.tora.fo)

Vestmanna Vogelfelsen

Ein Bootsausflug zu den Vestmanna Vogelfelsen ist für jeden Touristen ein Muss. Wenn das Wetter es zulässt, finden in der Sommersaison täglich Ausflüge statt.

Mykines

Die abgelegene Insel Mykines ist ein Paradies für Vogelbeobachter. In der ehemals großen, lebendigen Gemeinde leben heute nur noch wenige Menschen ganzjährig. Im Sommer lebt die Insel jedoch dank tausender durchziehender Seevögel und der Touristen wieder auf. Das Naturerlebnis ist grandios und man muss sich den Weg durch die Nester der Papageientaucher vorsichtig bahnen, wenn man sich auf die leichte Wanderung zum westlichsten Leuchtturm begibt. Die eindrucksvollen Klippen bieten der einzigen brütende Kolonie von Basstölpeln der Färöer ein Zuhause. 

Mykines erreicht man nach einer Bootsfahrt von Sørvagur oder mit dem Helikopter vom Flughafen aus. Mykines ist die westlichste Insel und durch Wetterumschwünge und starken Seegang sind Ausflüge manchmal schwer planbar. Die Insel nennt neben einem Café und Toiletten eine kleine Pension ihr Eigen.

BESUCHERINFO

Die Färöer-Inseln erleben
Die Färöer-Inseln bieten fantastische Landschaft, unberührte Natur sowie eine wunderbare Tierwelt und ziehen damit Besucher aus aller Welt an. Man kann Papageientaucher, Basstölpel, Sturmschwalben und die einheimischen robusten Schafe sowie kleine Pferde von nahem bewundern.  Bei Stille und Ruhe kann man die entspannte Lebensart genießen und die besondere Kultur und Geschichte dieser Inseln aufnehmen. 

Im Osten bestechen die Färöer-Inseln mit flachen Küsten, während an der Westküste steil abfallende Klippen dominieren. Die Landschaft ist atemberaubend: Sanfte grüne Hügel werden von Bergen mit zerklüfteten Vorsprüngen unterbrochen – gewaltige Basaltschichten, die von riesigen Vulkanen vor 60 Millionen Jahren dort hinterlassen wurden. Jede Region hat ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter, vom nördlichsten Punkt in Enniberg bis zum Leuchtturm in Akraberg im Süden. 

Bei einem Wanderurlaub bekommt man einen guten Eindruck von den wahren Färöer-Inseln. Die Inseln sind klein und der höchste Berg Slættaratindur ist nur 882 m hoch, aber das Gelände ist sehr zerklüftet und kann deshalb anspruchsvoll sein. Alternativ kann man in den Flüssen und Bächen nach Lachs und Forellen fischen oder sein Glück beim Hochseefischen versuchen. Für Aktivurlauber finden sich außerdem Surfen oder Kajakfahren im Angebot.

Kultur und Geschichte
Die färöische Sprache hat ihre Wurzeln im Altnordischen. Auf den Inseln haben mündlich überlieferte Balladen eine lange Tradition. Eine einzigartige kulturelle Besonderheit ist der rhythmische färöische Kettentanz, der im Kreis zu Liedern über Könige und Helden getanzt wird – manche dieser Lieder haben mehrere hundert Strophen! Für Kunstliebhaber ist das Kunstmuseum Listasavn Føroya ein Muss. Des weiteren gibt es eine Reihe thematisch ausgerichteter Urlaubsangebote für alle, die gerne zeichnen, malen oder fotografieren.

Der Sankt-Olavs-Tag am 29. Juli ist der Nationalfeiertag. Auch die Eröffnung des Parlaments wird durch eine Reihe von Festen und Feierlichkeiten in der Hauptstadt Tórshavn begleitet.  Auf beinahe jeder Insel und in jedem Dorf gibt es Jahrmärkte oder Feste, besonders populär sind die sommerlichen Ruderwettkämpfe. Am Strand von Göta findet im Juli das beliebte G! Festival statt – ein Musikfestival, das Musiker von den Färöern ebenso wie international bekannte Stars anzieht.

Reisen auf den Färöer-Inseln
Von Tórshavn aus sind die meisten Ausflugsziele mit einem Tagesausflug erreichbar. Es gibt regelmäßige Bus- und Fährverbindungen im Kerngebiet, diese sind in den Randgebieten und auf kleineren Inseln jedoch weniger häufig. Ein gutes Straßen- und Tunnelnetz verbindet die Dörfer, Tunnel sowie Brücken verbinden die Hauptinseln.

Zusätzlich gibt es im Winter drei Mal täglich und im Sommer vier Mal täglich kostengünstige Hubschrauberflüge. Die einheimische Bevölkerung erhält hier jedoch bevorzugte Behandlung und es ist nicht möglich, Rückfahrkarten zu kaufen.

Fahrpläne für Bus, Fähre und Helikopter: www.ssl.fo, Flugplan für Helikopter auch unter: www.atlanticairways.fo

Anreise  
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Färöer-Inseln zu erreichen.  Im Winter verbindet die Fähre M/F Norrøna wöchentlich Hirtshals (Dänemark), Tórshavn (Färöer-Inseln) und Seyðisfjørður (Island), während der Sommermonate finden die Fahrten häufiger statt. (www.smyril-line.com)

Atlantic Airways hat einen Winter- und einen Sommerflugplan. Kopenhagen wird im Winter zwei Mal täglich angeflogen, Billund in Dänemark und Reykjavik in Island werden zwei Mal wöchentlich angeflogen. Während des Sommers steigt die Anzahl der Flüge, zusätzlich werden zwei Mal wöchentlich Flüge nach Aalborg in Dänemark, Bergen in Norwegen und London Stansted in Großbritannien angeboten. ( www.atlanticairways.fo)

LAGE

KONTAKT

Kunningarstovan í Tórshavn
Á Vaglinum
Postboks 379 - 110
Tórshavn
Tel  00 298 30 24 25
Fax  00 298 31 68 31
torsinfo@torshavn.fo

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P.O. Box 118
FO-110 Tórshavn
info@visitfaroeislands.com

URSPRUNG / HERKUNFT DES NAMENS

Altnordisch Þinganes: Landzunge des Parlaments

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